Bronze-Büste von Günter Peters im Schloss Biesdorf enthüllt

vom 18.08.2018

 

Mit einer würdigen Feierstunde am 11. August 2018 haben das Bezirksamt, der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf und der Verein “Stiftung OST-WEST-BEGEGNUNGSSTÄTTE Schloss Biesdorf e.V.” des ehemaligen Stadtbaudirektors und stellvertretenden Oberbürgermeisters Dr. Günter Peters gedacht.

Anlässlich seines Geburtstages vor 90 Jahren sprach Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle berührende Dankesworte, erinnerten die beiden Vereine an sein Wirken bei der Entstehung des Bezirks und der Rettung des Schlosses. Im Anschluss enthüllte Bezirksstadträtin Juliane Witt eine Bronzebüste des Geehrten, die ihren dauerhaften Platz im Erdgeschoss des Schlosses Biesdorf finden wird. Zur Feierstunde kamen neben Bürgerinnen und Bürgern Vertreter des Bezirks, der Bezirksverordnetenversammlung, der Familie sowie Senatorin Katrin Lompscher.

Günter Peters gilt als „Erbauer Marzahns“ und hatte als Stadtbaudirektor von Ost-Berlin in den 1960er und 1970er Jahren an der komplexen Gestaltung der damaligen Hauptstadt der DDR mitgewirkt und an den Planungen für die neue Großsiedlung Marzahn federführend gearbeitet. Günter Peters war der Motor für die Sicherung und den historischen Wiederaufbau  des seit Jahrzehnten erheblich in Mitleidenschaft gefallenen Schlosses Biesdorf. Er setzte sich außerdem für die Rekonstruktion der Alten Dorfschule in Marzahn ein, die heute das Bezirksmuseum beherbergt.

Blick in den Heino-Schmieden-Saal

 

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle hatte, so erinnerte sie sich in ihrer berührenden Rede, Günter Peters bei der Vorstellung des neuen "neunten Stadtbezirkes" kennen gelernt. Denn der neue Bezirk Marzahn hatte nicht nur die Dimension einer völlig neuen komplexen Stadt mit öffentlichem Personennahverkehr, einem großzügigen Straßen- und Gehwegnetz sowie einer kompletten sozialen Infrastruktur, er hatte auch eine politische Intention - nämlich einen neuen Bezirk zu schaffen, der so nicht im Viermächteabkommen von Berlin vorgesehen war. Marzahn war eine Zeit lang auch ein politisch umstrittenes Projekt. Frau Pohle erinnerte daran, dass für Günter Peters nicht das Gebäude an sich ein Wert war, sondern dass ein Gebäude für die Menschen da sein sollte, die darin leben und arbeiten. Sie sei sehr froh, dass das Haus jetzt wieder in der Hand des Bezirkes liege - was auch Günter Peters lieb gewesen wäre. Ihr abschließender Gedanke war ein sehr wichtiger: wird Schloss Biesdorf jetzt wieder die Identität für die Biesdorfer und Marzahner (die Hellersdorfer hatte sie nicht genannt) bekommen, die sich über Jahrzehnte - insbesondere als Kulturhaus und soziales Stadtteilzentrum - herausgebildet hatte? Ihre Antwort: "Wir müssen es gemeinsam leben..."

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle

 

Für den Heimatverein Marzahn-Hellersdorf sprach Frau Dr. Christa Hübner. Ihr Vortrag, der auf dem Manuskript von Wolfgang Brauer basierte, erinnerte an den Jubilar als "Einer vom Bau - Nachdenken über Günter Peters".

Dr. Christa Hübner (Foto: BA Marzahn-Hellersdorf)

 

Es folgten diverse Anekdoten aus der "Gummistiefelzeit", Erinnerungen auch an den "mythenumwobenen" Peters, vor allem natürlich an das hinterlassene Werk. Und da hatte der Heimatverein einiges zusammengetragen. Günter Peters hatte in seiner Zeit als Verantwortungsträger dafür gesorgt, dass beispielsweise das Gebiet um den Arkonaplatz nicht dem Abriss geopfert, sondern als sanierungsbedürftiges Altbaugebiet erstmals im Berliner Osten komplex renoviert wurde. Sanierte Wohnungen am Arkonaplatz waren bei Berlinern beliebter als neue in Marzahn. Übrigens: im Jahr 1918 stattete der damalige Gartendirektor von Berlin, Albert Brodersen, der Schöpfer des Biesdorfer Schlossparks, den Arkonaplatz mit einem Spielplatz aus.

[caption id="attachment_2359" align="alignnone" width="300"] Der frisch sanierte Arkonaplatz im Mai 1984, die Maßnahme startete 1973 (Foto: Bundesarchiv)[/caption]

 

Peters hatte nicht nur Marzahn mitkonzipiert sondern auch den Wohnkomplex Hohenschönhausen und Prestigeprojekte in der Innenstadt wie den Alex, den Leninplatz, die Neugestaltung Unter den Linden, die Rathauspassagen und die Liebknechtstraße. Frau Hübner erinnerte daran, dass Ende der 1960er Jahre im Berliner Osten 90.000 Wohnungen gefehlt hätten, heute sind es für die wachsende Bundeshauptstadt 194.000. Diese werden nun wieder, insbesondere an der Peripherie, industriell-seriell hergestellt. Günter Peters hätte nachsichtig gelächelt. Er hatte sich für den Erhalt des Biesdorfer Doppelhochhauses an der Südspitze vergeblich eingesetzt. Heute errichtet an der gleichen Stelle die degewo vier achtgeschossige Wohnhäuser.

Im Beitrag des Vorsitzenden unseres Vereins Dr. Heinrich Niemann dominierte die detaillierte Rekonstruktion der Geschichte der Rettung des Schlosses, insbesondere die Frage, ab wann Günter Peters die Rettung als seine eigenste Aufgabe betrachtete. Auf die Tagesordnung gelangte die Rettung von Schloss Biesdorf im Jahr 2000 mit der Vorbereitung und Durchführung des 625jährigen Jubiläums von Biesdorf. Seit diesem Zeitpunkt - "Biesdorf braucht sein Schloss" - hatte der Jubilar dann zielführend mit der Bestimmung der Rechtsform (Stiftung) und künftigen Nutzungen den Weg bestimmt für die Vereinsgründung, dessen Vorsitzender er folgerichtig wurde. Alle weiteren Schritte bestimmte Günter Peters maßgeblich mit. Dr. Niemann erinnerte daran, wie wichtig die Parksanierung 1993/94 für das Gesamtprojekt war. Von Josef Batzhuber und Klaus-Henning von Krosigk sowie der Zauberformel vom "Glienicke des Ostens" wurde eine ganz wichtige Wegmarkierung gesteckt.

In der Zusammenschau nannte Dr. Niemann sieben Eigenschaften, die Persönlichkeit, Stil und Auftreten von Günter Peters charakterisierten:

Erstens brauchte, suchte und fand er Mitstreiter. Er band und gewann sie mit seiner Autorität und seinen schwer zu widerstehenden Argumenten.

Günter Peters überzeugte zweitens immer mit gründlicher Bestandsaufnahme und Analyse. Er war immer bestens vorbereitet und wartete in Debatten mit konstruktiven Vorschlägen auf. Er hatte, wie ein Wegbegleiter formulierte, stets alles in der Aktentasche.

Er wußte drittens, wie man auf Entscheidungsträger zugeht. Mit Fachwissen, Charme und Witz wußte er zu überzeugen.

Günter Peters schätzte viertens immer konkret die nächsten Arbeitsschritte ab.

Er nutzte fünftens Jahrestage, Feste, Anlässe verschiedenster Art, um die Bürger zu informieren, zu gewinnen und mitzunehmen.

Günter Peters ließ sich sechstens nie vertreten. Er war immer persönlich präsent.

Schließlich war Günter Peters siebtens von einem imposanten Gestaltungs- und Entscheidungswillen geprägt.

 

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Dr. Heinrich Niemann bei seinem Vortrag, im Vordergrund die Familie

 

Die Feierstunde wurde von Lukas Natschinski mit jazzigen Variationen begleitet.

 

Nach den Wortbeiträgen begab sich die Gesellschaft in das Erdgeschoss, um die neu geschaffene Bronzebüste von Günter Peters zu enthüllen. Der Bildhauer Michael Klein hatte das Modell bereits vor einiger Zeit fertig gestellt; jetzt war die Zeit gekommen, es zu gießen. Heimatverein und Bezirksamt beteiligten sich aktiv an diesem Prozess. Letztendlich gelang auch die Finanzierung.

      

Bildhauer Michael Klein (li.). Frau Peters und Kulturstadträtin Juliane Witt enthüllen die Büste.

 

Abschließend bedankte Dr. Oleg Peters sich im Namen der Familie für die bewegende Veranstaltung zu Ehren seines Vaters.